Man hat nie ausgelernt: Gerade im Erwachsenenalter wird man sich der Wahrheit dieser Maxime bewusst. Zwar hat die Erwachsenenbildung seit Anfang des 19. Jahrhunderts Konjunktur, doch erst in den letzten Jahren hat sich das Angebot auf alle nur erdenklichen Themenbereiche ausgeweitet. Erwachsene lernen sowohl in Kursen als auch auf eigene Faust. Oft wird bereits bestehendes Wissen aufgefrischt, doch viele Erwachsene greifen auch auf Bildungsangebote zurück, in deren Rahmen sie mit gänzlich neuem Lernstoff konfrontiert werden.

Eine Umschulung ist eine Aus- oder Weiterbildung, bei der man einen neuen Beruf erlernt oder die Qualifikation für eine neue Tätigkeit in einem neuen Berufsfeld erwirbt. Die Umschulenden können im Falle einer Umschulung bereits über Berufserfahrung in einem Erstberuf und mit fortgeschrittenem Alter auch über eine grössere Lebenserfahrung zurückgreifen. Dadurch kann die Umschulung üblicherweise in einer kürzeren Zeit absolviert werden als eine normale berufliche Erstausbildung.

Es gab eine Zeit, da wurde man in einer einige Jahre dauernden Ausbildung auf mehrere Jahrzehnte Berufstätigkeit vorbereitet. Dies ist vorbei. Der klassische, lineare Karriereweg existiert heute nicht mehr und eine solide Ausbildung oder ein Studium garantieren keinesfalls eine erfolgreiche Karriere. Vielmehr ist die Fähigkeit, sich anzupassen, schnell dazuzulernen und sich an neue Situationen zu adaptieren ausschlaggebend für den Erfolg.

«Ü-50: Mythos Abstellgleis» tituliert der Tagesanzeiger seinen Blog vom 27. März 2017 (Autorin Aniela Wirz). Es ist ein Versuch, ein Vorurteil gegenüber einer grossen Problematik abzubauen. Der Blick auf die Kommentare zeigt dann auch, dass es bei einem Versuch geblieben ist. Nahezu alle Kommentar-Schreibenden kritisieren den fehlenden Praxisbezug.

Weiterbildung: Die nächsten Schritte gezielt planen

Endlich: Die Bestätigung für die Aus- oder Weiterbildung liegt auf dem Tisch.Die nächsten 2 Jahre sind verplant. Die Richtung der Karriere ist klar. Das erste Schulungsmaterial wurde bereits zugestellt. Jetzt gilt es nur noch, möglichst schnell anzufangen. Wirklich? Falls noch nicht gemacht, gehört zuerst eine saubere Planung dazu. Nachfolgend die wichtigsten Punkte für einen effizienten Ausbildungsfahrplan auf einen Blick.

Planung der Studienzeit

Wann lernen Sie am besten? Am Morgen? Unterwegs? Abends? Es gilt, die beste Zeit herauszufinden. Vielleicht müssen Sie Kompromisse eingehen, weil Sie kleine Kinder haben. Oder weil der Nachbar am Abend Klavier spielt. Vielleicht lernen Sie besser im Office oder gar im kühlen Keller? Finden Sie einen Raum, der Ihnen entspricht. Die Konzentration bleibt so besser. Planen Sie sich fixe Zeiten ein, die Sie auch mit Ihren Angehörigen besprechen und dingfest machen.

Lernmethode – jeder so, wie er kann

Genauer hinsehen

«Menschen können nur Dinge denken, die sie sich vorstellen können – und können sich nur Dinge vorstellen, die sie bereits in irgendeiner Form erfahren, das heisst gesehen, gehört, gefühlt, beziehungsweise verstanden haben. Es muss prinzipiell etwas Vorstellbares sein.»

(aus «Beratung ohne Ratschlag» – Systemisches Coaching von Sonja Radatz).

Sich etwas vorstellen können. Manchmal brauchen wir Eselsbrücken. Lernen ist etwas ganz Persönliches. Ob mit dem Smartphone oder ganz traditionell mit Stift und Papier. Jeder auf seine Art. So wie er oder sie es sich am besten merken kann. Am Anfang braucht es etwas Zeit, die geeignete Lernmethode zu finden. Ganz wichtig: Nehmen Sie Lerngruppen ernst. Was Sie mündlich teilen können, bleibt länger haften. Erfahrungsaustausch lässt sich durch nichts ersetzen.

Persönliche Zeit – Auftankzeit

Ein Auto fährt so lange es Benzin hat. Bei Menschen ist es nicht anders. Wo Kraftstoff und Pflege fehlen, gibt es keine innere und äussere Bewegung. Ich meine damit nicht etwa das Aufputschen durch übermässigen Kaffeegenuss oder Energydrinks. Was wir dem Körper zu viel abzwingen, zahlen wir später mehrfach zurück. Daher ist es wichtig, dass Sie sich Zeit einplanen, die Sie mit erholsamen Aktivitäten füllen. Wo mehr geleistet wird, braucht es auch mehr Erholung. Grenzen müssen respektiert werden. Ehrgeiz kann diese Grenzen manchmal ganz schön ausmanövrieren.

Soziale Zeit: Anspruch der Familie, des Partners

«Der Mensch ist ein soziales Wesen.» Diese Aussage des Begründers der Individualpsychologie, Alfred Adler, ist an und für sich nicht neu. Ähnliche Aussagen kann man schon in der Bibel nachlesen: «Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei …». Menschen brauchen Menschen. Daher sind soziale Kontakte sehr wichtig. Vor allem sollten sie während einer Aus- und Weiterbildung gut geplant werden. Positive Menschen sind in Zeiten der Herausforderung unerlässlich. Sie helfen mitzutragen und wirken motivierend. Allerdings – und das mag in Zeiten der Betonung von Selbstbestimmung etwas überraschen – haben bestimmte Mitmenschen ein Anrecht auf Sie. Partner, Kinder, Freunde, Eltern etc. Es gibt immer Ausnahmesituationen, in denen man eigene Bedürfnisse zurückstellen muss. Flexibilität ist angesagt und muss mit eingeplant werden.

So können Sie sich schützen

  • Nehmen Sie in dieser Zeit keine zusätzlichen beruflichen oder privaten Verpflichtungen (Vereine) an.
  • Eine klare Kommunikation schafft Freiraum und klare Verhältnisse.
  • Wussten Sie, dass Meditation das Hirn «leert», man sich daher besser konzentrieren und mehr Informationen aufnehmen kann? Darum Zeit für Stille einplanen.
  • Smartphone und Mailprogramm drosseln.
  • Planen Sie gezielt Ruhephasen ein.

Das müssen Sie wissen

  • Lernen Sie von zuhause aus, sind Sie für kleine Kinder anwesend. Diese können nicht verstehen, dass Sie «nicht da» sind.
  • Ehrgeiz ist gut. Doch Beziehungen sind mindestens genauso wichtig. Ein guter Abschluss beeindruckt … kurze Zeit. Danach fragt in vielen Fällen niemand mehr danach …
  • Effizienz bedeutet, innerhalb der eigenen Leistungsfähigkeit(!), richtig zu reagieren und umzusetzen.

Autor: GPI®-Coach, Andreas Räber

Mehr über Andreas Räber erfahren Sie auf Coaching-Persoenlichkeitsentwicklung.ch und Andreas-Räber.ch

 


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