Man hat nie ausgelernt: Gerade im Erwachsenenalter wird man sich der Wahrheit dieser Maxime bewusst. Zwar hat die Erwachsenenbildung seit Anfang des 19. Jahrhunderts Konjunktur, doch erst in den letzten Jahren hat sich das Angebot auf alle nur erdenklichen Themenbereiche ausgeweitet. Erwachsene lernen sowohl in Kursen als auch auf eigene Faust. Oft wird bereits bestehendes Wissen aufgefrischt, doch viele Erwachsene greifen auch auf Bildungsangebote zurück, in deren Rahmen sie mit gänzlich neuem Lernstoff konfrontiert werden.

Bei Menschen ab ca. 50 Jahren läuft die Jobvergabe oft nicht über klassische Bewerbungsprozesse, sondern über persönliche Kontakte und Empfehlungen. Wer sich mit über 50 beruflich neu orientieren möchte, erleichtert sich den Jobwechsel daher erheblich, wenn er über ein gut funktionierendes Netzwerk verfügt.

Es gab eine Zeit, da wurde man in einer einige Jahre dauernden Ausbildung auf mehrere Jahrzehnte Berufstätigkeit vorbereitet. Dies ist vorbei. Der klassische, lineare Karriereweg existiert heute nicht mehr und eine solide Ausbildung oder ein Studium garantieren keinesfalls eine erfolgreiche Karriere. Vielmehr ist die Fähigkeit, sich anzupassen, schnell dazuzulernen und sich an neue Situationen zu adaptieren ausschlaggebend für den Erfolg.

«Ü-50: Mythos Abstellgleis» tituliert der Tagesanzeiger seinen Blog vom 27. März 2017 (Autorin Aniela Wirz). Es ist ein Versuch, ein Vorurteil gegenüber einer grossen Problematik abzubauen. Der Blick auf die Kommentare zeigt dann auch, dass es bei einem Versuch geblieben ist. Nahezu alle Kommentar-Schreibenden kritisieren den fehlenden Praxisbezug.

«Das Coaching-Siegel ist ein teures Muster ohne Wert» titelt die Welt in ihrem Artikel vom 15.3.2014. Sie spricht damit ein Problem an, das nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Denn viele Anbieter einer Ausbildung und aktive «Coachs» sprechen von Coaching, auch wenn sie etwas völlig anderes meinen. Wie man sich als neutraler Interessent informieren kann und auf was man achten muss.

Ausgangslage

«In den 80er-Jahren wurde das Coaching-Konzept vom Sport auch aufs Berufsleben übertragen. Doch die Methoden der Coaches sind teilweise fragwürdig.» Der Artikel von die Welt.de spricht Gefahren eines sich in der Entwicklung befindenden Berufes deutlich an. Giesskannenprinzip statt klares Profil. Doch der Reihe nach.

Coaching wurde vom amerikanischen Tennisspieler Timothy Gallwey erfunden. Seine Erkenntnis, dass der Gegner im eigenen Kopf stärker ist, als derjenige auf der anderen Seite des Netzes, hat er im Bestseller «Tennis – Das innere Spiel» zu Buche gebracht. Das war in den 1970er Jahren. Inzwischen hat sich Coaching einen Weg nicht nur in neue Branchen, sondern auch von oberen Hierarchien in tiefere geschaffen. Von Sport zum allgemeinen Business – bis hin zu Lebensfragen.

Tennis: Aufschlag zu anderen Denkweisen

Ziel von Coaching ist: Der Ratsuchende wird im Coachingprozess begleitet, kann sich entwickeln und eigene Wege finden. Soweit, so gut.

«The Work» lockt mit dem Heilsversprechen, dass sich alle Probleme – inklusive Krebserkrankung und sexueller Missbrauch – in Luft auflösen, wenn wir nur unsere Gedanken umprogrammieren. (Quelle: Die Welt – «Das Coaching-Siegel ist ein teures Muster ohne Wert»)

Heilsversprechen, Krebserkrankungen und sexueller Missbrauch. Dem seriösen Coach werden hier vermutlich die Haare zu Berge stehen. Denn von Heilungsversprechen ist nie die Rede in einer seriösen Coaching-Ausbildung. Hingegen kann der Umgang mit Herausforderungen gefördert werden, wenn es sich um psychisch gesunde Menschen handelt. Ist dies nicht der Fall, braucht es einen Psychologen oder Psychiater, oder einen Coach mit psychologischer Ausbildung.

Was tut ein Coach genau?

«Aufgabe des Coaches ist es, Fragen zu stellen, um zu verstehen. Wie das Vis-à-vis denkt und fühlt, ist die Ausgangslage. Wahrhaft beziehungsfördernde Fragen sind von einer wertschätzenden, einfühlsamen und die Augenhöhe respektierenden Grundhaltung getragen.» Urs R. Bärtschi, Autor von «Ich bin mein eigener Coach» und langjähriger Coach-Ausbildner – im Artikel «Drei Gewohnheiten, die Sie zu einem besseren Coach machen»

Ein Coach übernimmt die Prozessverantwortung und stellt Fragen, die beim Coachee einen Denkprozess auslösen und ihn/sie weiterführen. Es geht in Coachingesprächen um den Umgang mit Lebenssituationen, wie mit beruflichen Herausforderungen. Der Coach stellt die Sicht von aussen dar, die Betriebsblindheit verhindert. Die festgefahrene Sichtweisen in Frage stellt. Es ist ein gemeinsames Suchen nach Wegen, die nächste Schritte ermöglichen. Urs R. Bärtschi zum Beispiel spricht von:

«Out of the Box»: Es ist Aufgabe des Coaches, Fragen zu stellen, die den bisherigen Denkrahmen erweitern und «sprengen». Coaching-Prozesse werden erst so richtig spannend, wenn der Kunde «über etwas nachdenkt, das er sich noch nicht überlegt hat».

In Deutschland gebe es über 300 Coaching-Ausbildungen, von der Vermittlung esoterischer Methoden bis zum Training fundierter Beratungsmethoden, schreibt Welt.de weiter. Viele davon seien nicht wissenschaftlich fundiert und darum auch nicht besonders glaubwürdig. NLP Coaching zum Beispiel wird sehr stark in Frage gestellt:

Darunter versteht man eine Sammlung von Kommunikationstechniken, die verspricht, die psychischen Muster eines Menschen, die durch die Interaktion zwischen dem Gehirn (Neuro) und der Sprache (linguistisch) entstanden sind, so zu verändern (Programmieren), dass sich die Person effektiver verhält. (Die Welt)

Dem gegenüber steht Forschung, die bewiesen hat, dass so etwas nicht funktioniert. Die Stiftung Warentest in Deutschland bevorzugt Coaching Ausbildungen, die mindestens 12 Monate dauern.

Inhaltlich sollten unter anderem Rollenkonzepte, psychologische Themen und auch die persönliche Kompetenz ein Thema sein. Zudem müssen die angehenden Coaches Formen von Unternehmen und Organisationen kennen und in Rollenspielen auf die Coaching-Situationen vorbereitet werden.

Was heisst «wissenschaftlich fundiert»?

Als Kritikpunkt an Coaching Ausbildungen wird oft bemängelt, dass die Methoden nicht wissenschaftlich fundiert sind. Was heisst das? Aus der Fülle an Infos im Internet scheint mir die folgende Begründung am meisten zu überzeugen:

Es geht um die Beweisbarkeit in der Praxis aufgrund genau getesteter Verfahren.

An sich überzeugend, wenn man dabei berücksichtigt, dass die Psyche eines Menschen nicht mit dessen Knochen, also mit Hardware verglichen werden kann, sondern dass es bei der Psyche verschiedene Auswirkungen geben kann, da sie von Erfahrungen geprägt ist, die zu unterschiedlichen Handlungsweisen bei Verfahren und Tests führen können. Nichts Greifbares also.

Wie fundiert ist Coaching mit seinen Auswirkungen?

Und jetzt? Zurück zum Kern einer Coaching Ausbildung

Timothy Gallwey zeigt in seinem Buch «wie wir körperliche Leistung und Psyche in Einklang bringen und unsere Ressourcen optimal nutzen können».

Leistung, Psyche und Ressourcen nutzen, das sind die Grundpfeiler von Coaching.

Wie der Ratsuchende mit diesen drei Punkten umgeht und welchen Weg er wählen will, das herauszufinden, ist das Ziel von Coaching. Darauf müssen auch die Ausbildungen ausgerichtet sein.

Beispiel einer Coaching Ausbildung in der Schweiz

Das Ausbildungsangebot in der Schweiz hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Um den Beruf des Coaches auch eidgenössisch zu verankern und eine gewisse Qualitätssicherung zu garantieren, entstand 2015 der Beruf des eidg. betrieblichen Mentors. Auch Urs R. Bärtschi bietet eine Diplomausbildung an, die zum eidg. Abschluss dieses Berufsbildes führt. 10 Tage Grundstudiengang und weitere Diplomkurse, begleitet von der Pflicht, Inter- und Supervision wahrzunehmen. Themen sind unter anderem

  • Beziehungsorientierte Gesprächsführung
  • Menschen verstehen und fördern können
  • Reflektierte Wahrnehmung und bewusstes Gestalten
  • Prozessbegleitende Kompetenzen
  • Selbstmanagement
  • Laufbahn- und Karrierecoaching

Gesamte Dauer: 22,5 Tage. Ob das reicht? 2017 hat Coachingplus erstmals 2 Teilnehmer auf Platz 1 und 2 an der eidg. Ausbildung zum Betrieblichen Mentor gestellt. Ein Erfolg, der im Willen (sowohl vom Ausbilder wie auch vom Studiengang-Teilnehmer) begründet ist, sich konsequent am Markt zu orientieren. Seit über 20 Jahren.

Autor: GPI®-Coach, Andreas Räber

Mehr über Andreas Räber erfahren Sie auf Coaching-Persoenlichkeitsentwicklung.ch und Andreas-Räber.ch

 


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