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Coaching vs. Beratung – Zur Geschichte des Coachings

Coaching erfreut sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. Nicht nur Spitzensportler und Führungskräfte nehmen Coachings in Anspruch, um Topleistung in ihrem Feld abzurufen. Menschen jeden Alters und Berufes möchten sich durch Coachings persönlich weiterentwickeln.

Doch woher stammt der Begriff «Coaching» eigentlich und wie konnte Coaching derart beliebt werden? In diesem Artikel wird ein Einblick in die Geschichte und Entwicklung von Coaching als Profession gegeben sowie die Unterschiede zwischen Coaching und Beratung erläutert.

Coaching vs. Beratung – Zur Geschichte des Coachings

Coaching: Sich und andere besser verstehen, Skills erkennen, anders Handeln und vieles mehr.

Ursprung und Entwicklung von Coaching

Das Wort «Coach» hat seinen Ursprung in Amerika und bezeichnet einen Trainer im Sportbereich.

Der Coach ist sowohl für die Leistungsfähigkeit, als auch für psychologische Aspekte wie den Zusammenhalt des Teams und das Eingehen auf individuelle Probleme des Sportlers verantwortlich.

Ende der 70er-Jahre bis Anfang der 80er-Jahre übertrug man die Praxis des Coachings immer mehr auf den Business-Bereich. Eine grosse Rolle spielte auch das Erscheinen des Buches «Tennis – das innere Spiel» von Timothy Gallwey. In dem Buch thematisierte Gallwey die Bedeutung der mentalen Prozesse für den Erfolg von Profitennisspielern.

Die Wichtigkeit von Glaubenssätzen und die gezielte Arbeit an diesen zur Verbesserung der Leistung rückte in einen breiteren öffentlichen Fokus und führte dazu, dass die Erkenntnisse auch in anderen Bereichen angewandt wurden.

Infolgedessen wurden Coaches auch im Management eingesetzt, um Vorgesetzte zielgerichtet und entwicklungsorientiert in der Mitarbeiterführung zu unterstützen. Erstmals wurden psychologische Erkenntnisse verwendet, um in das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern einzugreifen und es zu optimieren.

Mitte der 80er-Jahre erkannte man zunehmend die Effektivität von Mentoring-Programmen zur Förderung von Nachwuchskräften. Ungefähr zu dieser Zeit wurden Coaches auch erstmals im deutschsprachigen Raum eingesetzt, vorerst jedoch nur zur Betreuung von hohen Führungskräften im Top-Management. Man erkannte, dass eine Person umso weniger direkte Rückmeldung erhält, je höher ihre Position ist. Um dem entgegenzuwirken, setzte man Coaches ein.

In den 90er-Jahren etablierte sich Coaching dann immer mehr als Instrument in allen Führungsebenen, zeitgleich entwickelte sich Coaching zum Massentrend. Das Thema wurde auch von der Wissenschaft aufgegriffen und viele Studien wurden durchgeführt. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Modelle, Konzepte und Methoden, die heute noch angewandt werden.

Coaching war im Mainstream angelangt und infolgedessen wurden viele seriöse und auch unseriöse Angebote mit dem Begriff Coaching versehen. Coaching wurde zu einem allgemeinen Begriff psychologisch ausgerichteter Beratungsmethoden.

Professionalisierung des Coachings

Nach wie vor ist der Begriff «Coaching» keine geschützte Bezeichnung und wird von vielen Anbietern missbraucht, um dem Kunden eine eingehende Beratung zu suggerieren, auch wenn es sich häufig nur um oberflächliche Angebote handelt.

Seit etwa 10 Jahren nehmen die Bemühungen jedoch zu, Coaching zu professionalisieren. Dies äussert sich unter anderem in der Entstehung von Berufsverbänden, wie z.B. dem Deutschen Berufsverband Coaching DBVC.

Unterschiede zwischen Coaching und Beratung

Coaching als Profession ist zwar eine Beratungsform, jedoch ist längst nicht jeder Berater auch ein Coach. Was sind die Unterschiede zwischen Beratung und Coaching?

Prozessberatung vs. Fachberatung

Ein Coaching ist immer eine Prozessberatung.

Ein Coach erarbeitet mit dem Klienten eine individuelle Lösung für dessen Problem. Er geht mit dem Klienten durch den Prozess, im Optimalfall behält der Klient die Verantwortung und entwickelt die Lösung in eigenen Gedankengängen.

Eine Beratung ist meist eine reine Fachberatung. Populäre Beratungsformen sind zum Beispiel Steuer- oder Rechtsberatung. Ein Berater nimmt dem Klienten die Verantwortung ab und löst dessen Problem, häufig handelt es sich dabei um eine Standardlösung.

Coaching ist immer freiwillig

Ein Coaching findet immer auf freiwilliger Basis statt, meist weil der Klient sich persönlich weiterentwickeln möchte. Eine Beratung kann auch aufgrund von Sachzwängen, wie z.B. einer rechtlichen Situation erfolgen.

Beziehungsorientiert vs. sachorientiert

Coaching ist beziehungsorientiert. Wie erfolgreich ein Coaching ist, hängt zu einem Grossteil von der Beziehung zwischen Coach und Klienten ab. Eine Beratung ist sachorientiert. Die Beziehung, die aus dem Kontakt von Coach und Klienten entsteht, ist eher ein Nebenprodukt.

Persönlichkeit vs. Sachkenntnis

Ein Coach bringt seine Persönlichkeit stärker mit ein. Er wird auch aufgrund seiner individuellen Meinung und Erfahrungen geschätzt. Ein Berater wird in erster Linie aufgrund seiner Sachkenntnis geschätzt.

Sowohl ein Coaching als auch eine Beratung sind für schwerwiegende psychische Probleme ungeeignet, hier ist eine medizinische bzw. psychologische Therapie die einzig richtige Lösung.

Text: Andreas Räber – Quelle: Coaching-Report.de

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Andreas Räber, GPI®-Coach, Bäretswil, Zürcher Oberland