Von der beruflichen Standortbestimmung zur geplanten Neuorientierung

Es tut sich nicht nur etwas, sondern sogar viel in unserer Gesellschaft. Die geopolitische Lage nimmt immer mehr Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft und die Künstliche Intelligenz droht unsere Jobs wegzurationalisieren.

Woran können sich Schweizer Arbeitnehmer:innen jetzt orientieren? Was können sie tun? Zeit, eine Auslegerordnung zu machen.

Die Themen im Überblick:

Von der beruflichen Standortbestimmung zur geplanten Neuorientierung

Standortbestimmung: Ausmisten. Stärken und Potenziale entdecken. Neue Wege defnieren.

Standortbestimmung – Wer bin ich?

Jede Krise im Leben, ob im privaten oder im beruflichen Bereich, ist eine Chance für eine Neuorientierung. Doch bevor man sich neu orientieren kann, ist es wichtig, zu wissen, wie der aktuelle Stand der Kompetenzen und persönlichen Ziele ist.

Unzufriedenheit, Stillstand, Motivation, Vision: Alles hat seine Gründe – und viel mit uns selbst zu tun.

Ein wertvoller Ansatz bietet eine (berufliche oder private) Standortbestimmung.

Um zu wissen, wohin ich will, muss ich auch wissen, wer ich bin

Wir kennen das alle:

Unser Leben beinhaltet viele Herausforderungen. Kleine, grössere, unerwartete, zu meisternde und gefühlt überfordernde. Dazu kommen noch sämtliche «Das-müsstest-du-auch-noch»-Stimmen – sei das in unseren Gedanken oder real.

Auch leise Stimmen können und viel Kraft haben und kosten.

Unter dem Druck einer aussergewöhnlichen Lebenssituation zeigt sich unsere wahre Persönlichkeit. Die bestehenden Kompetenzen wie auch unsere Verletzlichkeit werden deutlicher sichtbar.

Was tun, wenn der Druck immer grösser wird, die Anforderungen an Kompetenzen, Arbeitszeit und Leistungserwartungen seitens der Arbeitgeber immer mehr steigen? Wenn wir uns «überfahren» fühlen und «hinterher-Rennen» angesagt ist – und das trotz schwindender Kraft?

Das kann doch nicht wahr sein! Wie halte ich das bloss durch?

Weniger ist sehr oft mehr

Wenn wir uns nur noch durch den Berufsalltag schleppen, sollten wir uns besser fokussieren. Auf weniger. Das dafür gut. Und wir dürfen uns auch vertrauen. Dass wir vieles schon gemeistert haben und daher auf viele Kompetenzen zugreifen können. Vielleicht stimmt der Mix nicht mehr? Vielleicht die Menge?

Eine entsprechende Korrektur kann sehr wohltun. Der Psyche wie auch dem Körper. Lebensqualität ist dann spürbar, wenn wir unsere Selbstwirksamkeit erleben.

Das geht unter zuviel Zeitdruck oft unter.

Bisherige Selbstwirksamkeit erkennen

Wenn wir uns nur noch durch den Berufsalltag schleppen, sollten wir uns besser fokussieren. Auf weniger. Das dafür gut. Und wir dürfen uns auch vertrauen. Dass wir vieles schon gemeistert haben und daher auf viele Kompetenzen zugreifen können. Vielleicht stimmt der Mix nicht mehr? Vielleicht die Menge?

Eine entsprechende Korrektur kann sehr wohltun. Der Psyche wie auch dem Körper. Lebensqualität ist dann spürbar, wenn wir unsere Selbstwirksamkeit erleben.

Das geht unter zuviel Zeitdruck oft unter.

Bestehende Kompetenzen sowie Potenziale entdecken und den Kopf frei bekommen

Bestehende Kompetenzen sowie Potenziale entdecken und den Kopf frei bekommen

Kompetenzen und Potenziale erkennen

Einen klaren Kopf zu haben, ist wichtig, um eine möglichst präzise Übersicht zu gewinnen. Wer sich neu orientieren will, muss wissen, wer er oder sie genau ist.

  • Welchen Weg habe ich gewählt und warum gerade diesen?
  • Welche Kompetenzen habe ich dabei erworben und wo schlummer noch welches Potenzial?

Um solche wichtigen Aspekte zu klären, hilft eine fundierte Standortbestimmung.

Eine Standortbestimmung deckt auf

Diese beinhaltet folgende Punkte:

  • Bisheriger Werdegang, erarbeitete Kompetenzen (berufliche Ausbildungen, Verantwortlichkeiten)
  • Persönlichkeitsanalyse: Wie ticke ich wann und warum? Welcher Persönlichkeitsanteil ist federführend?
  • Frage der Belastung: Wie reagiere ich unter Druck (Lebensmuster)?
  • Soziales Umfeld (Familie, Kinder etc.)
  • Umfeld (Wohnort, Lärmbelastung, Nachbarn, Vereine)
  • Was sagen andere über meine Kompetenzen und über mein Potenzial?
  • Gesundheit (Work-Life-Balance)
  • Persönliche berufliche und/oder private Ziele?
  • Gegenseitiger Einfluss bzw. Widerspruch unserer Ziele
  • Wünsche, was in Zukunft anders sein sollte?
  • Stärken und Schwächen und ihre Auswirkung?
  • Worst-Case bei Gefahren notieren (Was ist das Schlimmste, das passieren kann?)

Wird ein externer Coach oder Berater zu einer Standortbestimmung und Neuorientierung beigezogen, sind die Erwartungen an diese Fachperson am besten klar zu definieren.

  • Regelmässige Standortbestimmungen bzw. Überprüfung von Teilzielen
  • Prognosen des angestrebten Berufsumfeldes, sofern möglich
  • Zeitaufwand pro Tag, Woche, Monat möglichst genau berechnen
  • u.a.

Je genauer und umfangreicher eine Standortbestimmung ausfällt, desto klarer werden Wünsche, Ziele und Kompetenzen ersichtlich.

Auch Umwege werden deutlich. Sie kosten uns meist viel Kraft.

Bei einer beruflichen wie privaten Standortbestimmung geht es auch immer darum, auf mögliche Körperreaktionen zu achten (Enge oder Weite im Brustbereich, Knoten im Bauch, Zusammensinken oder Aufrichten etc.).

Zielorientierung vor Geschwindigkeit

Es geht darum, zu wagen. Schritt für Schritt.

«Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch schneller als der, der ohne Ziel herumirrt.»

Gotthold Ephraim Lessing – deutscher Dichter

Neuorientierung wächst langsam

Die Natur ist ein Vorbild in Sachen Geduld

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Berufliche Neuorientierung dank realistischen Zielen

Ganz wichtig ist es, auf die Realität zu achten. Wie gerne wären wir schon weiter und schneller am Ziel. Doch eine Neuorientierung erfordert Ausdauer und Dranbleiben – und das wahrscheinlich lebenslang. In unserer dynamischen Gesellschaft wird lebenslanges Lernen immer mehr zur Pflicht.

Eine berufliche Neuorientierung ist am meisten erfolgversprechend, wenn nebst einer Persönlichkeits-Analyse und der des bisherigen Werdegangs realistische Ziele vorhanden sind, beziehungsweise definiert werden.

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Achten Sie auf Fallen wie

  • Zeitdruck
  • Zu hohe Ziele
  • Den Wert von Versprechen erkennt man erst in der Realität
  • Ein hohes Einkommen verlangt oft nach einem überdurchschnittlichen Einsatz
  • Ihr Körper und Ihre Psyche haben Grenzen, die NICHT verhandelbar, wohl aber temporär übergehbar sind.
  • Im Zeitalter von Fake News lohnt es sich, Informationen genau zu überprüfen.

Achten Sie darauf, dass Sie auch kleine Schritte wahrnehmen. Erfolge sind so wichtig, wenn es um Ausdauer geht. Eine berufliche Neuorientierung geschieht nicht über Nacht. Anders ausgedrückt: die braucht Zeit. Das Gleiche gilt, wenn es darum geht, die eigene Berufung zu finden.

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Lebensqualität vor beruflichem Erfolg

Dem britischen Musiker und Friedensaktivisten John Lennon wird folgende Aussage zugeschrieben:

«Als ich zur Schule ging, fragten sie mich, was ich sein möchte, wenn ich erwachsen bin. Ich schrieb glücklich hin. Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden habe, und ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstanden haben.»

Kinder haben einen unverstellten Zugang zum Lebenssinn. So simpel es klingen mag: beruflicher Erfolg ist nicht alles.

Mit einer Standortorientierung fehlende Puzzleteile entdecken

Manchmal fehlt ein Puzzleteil, um Selbstwirksamkeit, Kompetenzen etc. wahrzunehmen.

Die Aussensicht eines Coaches

Wir alle kennen Betriebsblindheit. Wenn wir zu sehr in einem Thema, in einer Aufgabe etc. drinstecken, ist unsere Wahrnehmung nicht mehr neutral. Es fehlt die Aussensicht. Vielleicht ist eine professionelle Begleitung durch einen erfahrenen Coach angesagt.

Ein Coach leitet Sie an, sich den relevanten Fragen zu stellen, sorgt dafür, dass Sie beim Thema bleiben und behält das Ziel im Blick.

Damit erhöht sich die Qualität des gesamten Prozesses einer Standortbestimmung und beruflichen Neuorientierung.

Ganz gleich, ob Sie letztendlich einen neuen Job annehmen oder im angestammten Beruf beim selben Arbeitgeber tätig sind: Mit diesem Prozess steigert sich auch die Lebensqualität und verhilft zu mehr innerer Stabilität.

© Ausbildung-Tipps.ch – überarbeitet am 12.1.2025, Andreas Räber

Autor

Andreas Räber ist Enneagramm-Coach/Trainer, GPI®-Coach und fundierter Querdenker. Er ist Autor von zahlreichen Blogs, Fachartikel und Kurzgeschichten. Er ist Inhaber der Webplattformen ausbildung-tipps.ch, berufliche-neuorientierung.ch und coaching-persönlichkeitsentwicklung.ch. Er begleitet seit über 15 Jahren Menschen zu Themen wie berufliche Neuorientierung, Standortbestimmung, berufliche Selbstständigkeit wagen, Persönlichkeitsentwicklung etc. Mehr über Andreas Räber erfahren

Autor: Andreas Räber, GPI®-Coach unter anderem für Standortbestimmung und Neuorientierung, Adetswil, Wetzikon

Andreas Räber, Enneagramm-Coach, Trainer und GPI®-Coach, Wetzikon

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