Gründe und Voraussetzungen für eine Weiterbildung
Weiterbildung: Lernbereitschaft signalisieren. Wer sich weiterbilden lässt, muss sich in der Regel an den Studienkosten beteiligen oder für ein paar Jahre beim aktuellen Arbeitgeber verpflichten. Mit diesen Massnahmen sollen das erlernte Know-how und die investierten Kosten für das zahlende Unternehmen möglichst gebunden werden. Wie kann man das Maximum aus einer Weiterbildung herausholen? Eine Analyse mit durchaus kritischen Gedanken.
Die Themen im Überblick:
Aus- und Weiterbildungen: Gut planen und mit aktivem Mitmachen während des Unterrichts, möglichst viel herausholen
Gründe: Zeit für eine Weiterentwicklung
Manchmal macht sich Unzufriedenheit bereit. Manchmal ist es einfach ein Gefühl oder fehlende Erfolge. Dann ist es Zeit nach den Gründen zu suchen. Möglich wäre:
- Die bisherigen Herausforderungen brauchen neues Wissen.
- Das soziale Umfeld erzählt von neuen Massnahmen, die spannend klingen.
- Bestehende Herausforderungen können problemlos bewältigt werden. Es braucht allerdings auch immer wieder neue.
- Es fehlt an realistischen Visionen und Perspektiven.
Das sind nur einige Gründe, warum sich eine Weiterbildung aufdrängt. Neue Impulse, andere Menschen in ähnlichen Situationen kennenlernen – das hilft defintiv. Zeit sich über passende Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren.
Eine Weiterbildung ist nicht einfach eine Weiterbildung. Sie ist das, was wir daraus machen.
Während des Unterrichts präsent sein und bleiben
Der digitale Fortschritt hat immer mehr Folgen, die sich in viele Lebensbereiche erstrecken. Zum Beispiel während eines Seminars. Das Teilnehmer:Innen während des Schulunterrichtes online sind, ist schon fast normal. Schnell noch kurz auf Facebock, Linkedin, Instagram und sehen, «was aktuell läuft». Manchmal verlässt man «kurz» den Schulungsraum um zu telefonieren. Ständige Erreichbarkeit scheint uns wichtig.
Dieser Umstand führt dazu, dass die Lernenden nicht alle Informationen mitbekommen und so wichtigen Unterrichtsstoff verpassen.
Zertifikate und Diplomen verlieren an Wert, wenn ...
Die beschriebenen Erfahrungen stammen nicht etwa aus einer Grundschule, es ist ein Beispiel aus der Erwachsenenbildung, Menschen im berufstätigen Alter. Die Folgen liegen auf der Hand. Oft fallen diese Aktivitäten auf und stören den Unterricht. In den Bewerbungsunterlagen wird die Weiterbildung angegeben und ein Diplom beigelegt. Wurde eine Diplomabschlussarbeit verlangt, bekommt das Diplom eine gewisse Aussagekraft – in Zeiten der Künstlichen Intelligenz jedoch immer weniger. Denn diese ist mittlerweile sehr gut und fast nicht mehr als KI erkennbar.
Und doch werden Mitarbeiter mit Erfahrung und Ausbildung bei der Besetzung von neuen Stellen bevorzugt. Während Wiedereinsteiger, die eigentlich motiviert wären, Mühe haben, eine Stelle zu finden.
Welche realistische Vorteile erhofft man sich von Aus- und Weiterbildungen? Erwartungen im Vorfeld klären.
Selbstzahler und Wiedereinsteiger sind voll dabei
Zu der oben genannten Erfahrung muss die Haltung der einzelnen Teilnehmer noch erwähnt werden.
Bezahlt jemand das Seminar selbst, oder ist er oder sie Wiedereinsteiger, ist eine viel grössere Motivation zu erkennen.
Sie wollen etwas erreichen und erkennen die Wichtigkeit der Weiterbildung – und in Zeiten, wo nicht nur Mitbewerber:Innen sondern auch Künstliche Intelligenz echte Konkurrenz bieten, um so mehr.
Nicht müssen müssen und KI als Gefahr von Desintresse
Bei Teilnehmer:Innen wo die Firma zahlt, ist die Gefahr von Desinteresse am grössten. Kommt dazu, dass man glaubt mit Künstlicher Ingelligenz alle Fragen schnell, einfach und bequem beantworten zu können.
Man «sitzt» die Zeit in der Schule einfach ab und erledigt «wichtige private Dinge», wie ein Teilnehmer an einer Schulung erklärte, als er die eigentliche Aufgabe nicht gelöst hatte.
Dazu kommt, dass desinteressierte Teilnehmer den Unterricht oft mit Gruppengesprächen stören. Was können Unternehmen tun, was kann der Lehrer tun, damit der Lernstoff ankommt und die Teilnehmer (und die zahlenden Unternehmen) am besten profitieren können?
Was macht guten Unterricht aus?
Guter Unterricht lebt von Interaktivität und praktischen Beispielen. Er sollte gut strukturiert sein und nachvollziehbare Beispiele enthalten.
Storytelling und eigene Erfahrungen sind immer willkommen. Weil beides oft mit unseren eigenen Erlebnissen übereinstimmt. So entsteht Vertrauensaufbau, Nähe und Interesse.
Schüler und Dozenten sind gefordert, aktiv am Unterricht teilzunehmen, ihn so zu gestalten, dass Information zum gegenseitigen Nutzen wird. Davon profitieren beide Parteien.
Sich zurückziehen in die «Ich-weiss- schon-alles-Haltung» dient niemandem wirklich.
Weiterbildung: Wer aktiv mitmacht, profitiert am meisten!
Wie kann Desinteresse verhindert und wie können Teilnehmer motiviert werden?
Die gelebte Haltung an einer Schulung ist Ausdruck der inneren Einstellung.
Lerne ich für mich und profitiere oder bin ich anwesend, weil der Chef mich geschickt hat.
Mit solchen passiven Haltungen wird die Erwachsenenbildung immer mehr konfrontiert werden. Ein möglicher Ansatz mehr Motivation zu fördern wäre die Mitarbeiterführung in der Firma. Nebst der Teilnahme an der Schulung können auch berufliche Perspektiven besprochen und festgelegt werden.
Des Weiteren muss die Umsetzung des erlernten Know-hows in die Praxis ermöglicht werden.
Es muss eine Bereitschaft das ganzen Teams vorhanden sein, das gelernte auf die firmenspezifischen Bedürfnisse zu übersetzen und umzusetzen. Mehr Wissen, das dann trotzdem nicht gefragt ist, demotiviert. Pflicht und Motivation, Ziele und Perspektiven bestimmen nicht nur den Weg – auch das Resultat.
3 Fragen zur Reflexion
Welche Anreize brauchen Sie, damit Sie sich voll in eine Ausbildung investieren?
Auch die Zeit an einer Aus- und Weiterbildung ist einmalig und kommt nie wieder. Es ist Ihre Zeit. Was ist Ihnen besonders wichtig? Welche Erwartungen haben Sie?
Notieren Sie sich diese. Je mehr Sie sich Zeit für Ihre Abklärungen nehmen, desto sicherer werden Sie sich auch während der Ausbildung fühlen. Das Führen eines Tagebuches, zeigt Ihnen nicht nur Ihre Gedanken und Entscheidungen auf, Sie können darin auch Ihre Entwicklung beobachten.
Nichts Neues unter der Sonne?
Auch uns schon bekanntes Wissen, darf wiederholt werden. Praxisbeispiele lassen dieses in einem neuen Licht sehen. Haben Sie Beispiele, die Sie im Unterricht einfliessen lassen können? Frontalunterricht kann extrem mühsam sein. Spannend wird es, wenn alle mitmachen und ihre Fragen und Erfahrungen mitteilen.
Entdecken Sie die Möglichkeiten?
Vielleicht macht eine Weiterbildung auf den ersten Blick keinen Sinn. Nicht nur Leben ist das, was man daraus macht. Auch Aus- und Weiterbildungen leben vom Engagement jedes einzelnen! Wie können Sie das Gelernte auf Ihre persönliche Art und Weise privat oder im Job umsetzen? Es geht um die machbaren, oft kleinen Schritte.
Auch ein Fernstudium kann eine sinnvolle Alternative für eine Weiterbildung sein, die aber eine hohe Disziplin erfordert.
Fazit
Aus- und Weiterbildung bringen Arbeitnehmer:Innen und Arbeitgeber:Innen klar Vorteile. Das Ziel muss von beiden Parteien und auch von den Schulen sein, das Maximum herauszuholen. Dazu braucht es Voraussetzungen:
- Motivierte Teilnehmer:Innen
- Schulungsangebote, die unterhaltsam, bewusst herausfördernd und auf dem aktuellsten Stand der technischen Möglichkeiten sind.
- Arbeitgeber:Innen, die eine Umsetzung des Gelernten in die Praxis möglich machen.
- Realistische Perspektiven und Zeitraum, um im Job weiterzukommen.
- Die Bereitschaft für einen offenen, fairen Dialog, Respekt und die Möglichkeit für Feedbacks, die gehört und geschätzt werden.
Auch ein Fernstudium kann eine sinnvolle Alternative für eine Weiterbildung sein, die aber eine hohe Disziplin erfordert.
© ausbildung-tipps.ch, übearbeitet 27.2.2026/Andreas Räber
Autor und redaktionelle Leitung für ausbildung-tipps.ch
Andreas Räber ist Enneagramm-Coach/Trainer, GPI®-Coach und fundierter Querdenker. Er ist Autor von zahlreichen Blogs und Fachartikeln rund um Beruf, Leben und Gesundheitswesen. Er ist Inhaber der Webplattformen ausbildung-tipps.ch, berufliche-neuorientierung.ch und coaching-persönlichkeitsentwicklung.ch. Er begleitet seit über 15 Jahren Menschen zu Themen wie berufliche Neuorientierung, Standortbestimmung, berufliche Selbstständigkeit wagen, Persönlichkeitsentwicklung etc. Er ist Initiant und Autor der wöchentlichen Impulse Newsletters «Anstubser».
Andreas Räber, Enneagramm-Coach, Trainer und GPI®-Coach, Pfäffikon ZH














